Die Mitte bin ich.

Therapiegestütztes, meditatives Bogenschießen


Im Sinne eines ganzheitlichen Menschenbildes sieht das therapiegestützte, meditative Bogenschießen (TMB) seinen Anwendungsbereich gleichermaßen in einer Heilpädagogik und in einer Psychohygiene. Dabei ist der Fokus vor allem auf stützende und begleitende Maßnahmen bei Persönlichkeitsentwicklung, Lebenssinnfindung und der Bewältigung von Lebenskrisen gerichtet.

Das TMB verbindet Elemente der erlebnisorientierten Psychotherapie mit ethnotherapeutischen Interventionen in der Natur.

 

Als Ziel verfolgt das TMB eine Situationsverbesserung auf vier Ebenen – auf der körperlichen, emotionalen, kognitiven und sozialen Ebene.

 

Dabei kommen unter anderem auch hypnotherapeutische Methoden zum Einsatz

 

Zur Erklärung:

HYPNOTHERAPIE

Seit Jahrtausenden sind Suggestionen und Trance-Rituale wichtige Bestandteile von Heilungsprozessen. Hat man in der Vergangenheit das Absenken des Bewusstseins und Hineinführen in einen veränderten Bewusstseinszustand, dazu verwendet um Schmerz auszuschalten, so sieht die moderne Hypnotherapie den Klienten als Kooperationspartner und aktiven Gestalter seiner Trance-Prozesse. Es geht nicht darum, zu manipulieren, sondern Ebenen aufzutun, die dem Klienten Möglichkeiten eröffnen, verborgene Fähigkeiten zu nutzen. Der Klient erfährt in Trance, dass er über innere Ressourcen verfügt, von denen er vorher nichts wusste. …

 

TIEFGANG

Hypnotherapie ist eine alte Heilmethode, die auf Trance aufbaut –. Ein Zustand, den viele Menschen aus dem Alltagsleben kennen: Beim Lesen eines spannenden Buches oder bei monotonen Tätigkeiten wie Joggen, Autofahren, oder beim Freilegen eines Jahresringes beim Bogenbauen. Oft sitzen wir einfach nur da und „schauen ins Narrenkastl“ und kriegen nichts mit, was rundum uns geschieht. Hypnotherapie ist die Methode, um jemanden vom Wachbewusstsein in Trance zu bringen.

 

TRANCE

Trance ist ein Zustand, in dem sich die Konzentration von außen nach innen richtet und Suggestionen besonders gut aufgenommen und umgesetzt werden können. In Trance fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache und die Umgebung tritt in den Hintergrund. Dabei wird das Unterbewusstsein des Klienten angesprochen und positiv beeinflusst. Das, was helfen soll, wird vom Begleiter formuliert und vom Unbewussten aufgenommen. Damit können körperliche oder seelische Probleme gelöst und Selbstheilungskräfte aktiviert werden.

 

Der Wald als Übungsraum des TMB

Im Wald können wir Geborgenheit, Sicherheit und Eingebundensein erleben. Er fordert uns heraus, an unsere Grenzen und darüber hinaus zu gehen, um dabei zu unserer Kraft, unserer Präsenz und Handlungsfähigkeit und zu unseren Ressourcen zu gelangen.

Ein wesentlich erachtetes Ziel des TMB ist die Verbesserung unseres Wohlbefindens. Der Aufenthalt während des Bogenschießens im Wald trägt maßgeblich dazu bei. All das was wir brauchen, um dieses Ziel zu erreichen, bietet uns das Refugium Wald. Sich im Wald aufhalten zu können, ist ein Geschenk, für das wir uns mit Ehrfurcht bedanken wollen. 


 

Beim TMB geht es darum, sich selbst mit allen Sinnen zu erleben und einen guten Umgang mit sich selbst zu finden.

Bogenschießen im Rahmen des TMB ist ein erlebnisorientierter Selbsterfahrungsprozess, bei dem Innerlichkeit und ausgerichtete Aufmerksamkeitslenkung – ein Zusammenspiel des „Innen und Außen“ – kongenial miteinander verflochten werden. Das Konzept des TMB wird von zudem von fünf methodischen Säulen gestützt, die im Folgenden angeführt sind:  

1. Säule: Integrative Gestaltarbeit

 

Das Tao-Lernen der integrativen Gestalttherapie hilft, eigene Fähigkeiten zu erforschen und auszuprobieren, welche Kräfte und Ressourcen in einem stecken. Das grundlegende Werkzeug dabei ist das Experimentieren, welches sich in drei Wege gliedert:  

 

·         Der erlebnisaktivierende Weg erlaubt uns, mit uns selbst und anderen besser in Kontakt zu treten, wieder Begeisterung zu empfinden und dadurch Freude am Leben zu haben.  

 

·         Im Gemeinschaftsweg werden offene, flexible Beziehungen gefördert. Dabei verschmelzen eigene Kompetenzen und Fertigkeiten – in der Begegnung mit dem Du – auf persönlichkeitsbildende Weise.

 

·  Der Gewahrseinsweg in der Gestaltarbeit ist das bewusste Wahrnehmen auf drei Gewahrseins-Ebenen: das Außengewahrsein, das Innengewahrsein und die Wahrnehmungsebene der intermediativen Reize. Je besser diese ausgebildet sind, desto wacher und bewusster ist ein Mensch. 

 

2. Säule: Die imaginative Arbeit nach C. G. Jung

Durch verschiedenste Aspekte in der Handhabung von Pfeil und Bogen werden die Archetypen in uns verankert und innere Stärken und Kräfte aktiviert. So wird z. B. in der Begegnung mit der Weisen/dem Weisen, Weisheit in uns generiert. Durch das Edle, das die Königin verkörpert, richten wir uns auf und unsere Haltung wird eine andere. Das kämpferische Feuer der Kriegerinnen und Krieger weckt Mut in uns und den Willen, uns Situationen zu stellen. Der Jäger/die Jägerin lässt Intuition und Neugier in uns wach werden.

 

  • Der Archetypus der Kriegerin/des Kriegers: KriegerInnen stellen sich Konflikten, wenn es ihnen notwendig erscheint. Sie behaupten sich, stehen zu ihrer Meinung und sprechen aus, was sie für richtig halten. Sie wissen über ihre Charakterzüge Bescheid und haben gelernt, zu ihren Fehlern zu stehen. Sie kennen ihre eigene Begrenztheit, haben aber auch gelernt, sich abzugrenzen und „Nein“ zu sagen.
     
  • Der Archetypus der Jägerin/des Jägers hält die Verbindung zur Wildnis. Er erinnert uns an jene Art von Unabhängigkeit, die die Menschen hatten, bevor sie sesshaft wurden. Die Jägerin/der Jäger steht für Naturverbundenheit und die Bereitschaft zu staunen sowie für die besondere Wechselbeziehung zwischen Mensch, Tier und Natur.

  • Der Archetypus der Königin/des Königs steht für Tatenkraft und eine optimistische Lebenseinstellung. Zudem ist dieser Archetypus charakteristisch für Freundlichkeit, Klugheit und Güte. Die Königin/der König blickt der Realität ins Auge und behält den Überblick in schwierigen Situationen.

  • Der Archetypus der Weisen/des Weisen. Weise sind in der Tradition vieler Völker Lehrer, Vermittler und Heilkundige. Als Hüter alten Wissens werden sie verehrt und um Rat gefragt. Zu einem Wesensmerkmal zählt z.B., dass sie sich ein unverstelltes Staunen gegenüber der Welt, die sie umgibt, erhalten haben.

3. Säule: Intuitives Bogenschießen

Intuitives Bogenschießen (= ursprünglichste Art des Bogenschießens) ist die äußere Form des TMB, die hilft, Körperhaltungen, Bewegungen und Bewegungsabläufe einzuüben.

 

  • Die Praxis vermittelt Grundtechniken wie Stand, Ankern, Aufmerksamkeitslenkung und Fokussierung ohne zu zielen, Visualisierung, Loslassen und Nachhalten (Release). Dabei werden sensorische (visuelle, auditive und haptische) Fähigkeiten verbessert.
  • Intuitives Bogenschießen fördert Geschicklichkeit, Beweglichkeit, Elastizität, Spannkraft und Ausdauer
    (= körperlich-kinästhetische Intelligenz). Zudem hilft es, die Koordination der sensomotorischen Abläufe sowie die Kondition und Fitness zu stärken.

4. Säule: Die meditative Übungsebene

Die vierte Säule betrifft die meditative Übungsebene. Hier greift das therapiegestützte, meditative Bogenschießen auf die initiatische Tradition der Kirati zurück, eines Bogenvolkes aus dem Himalaya. Bei den schamanistisch-tradierten Völkern Nepals gilt Versenkung und die damit verbundene Innentiefung als eine grundlegende und zentrale bewusstseinserweiternde Übung. Je nach Ethnie werden dabei unterschiedliche tranceinduzierende Methoden angewendet, nicht um der Welt zu entfliehen, sondern um sich mit der Welt zu verbinden (s. Milton Erikson). Beim TMB werden nonverbale Hypnoseformen der Kirati eingeübt um:

 

  • sich in Gelassenheit zu üben,
  • in einen Zustand innerer Ruhe zu kommen, 
  • eine erwartungslose innere Haltung einzunehmen, 
  • das Gewahrsein zu schärfen und klar zu werden, 
  • immer wieder das Loslassen zu üben, 
  • Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu finden, 
  • Methoden zur Selbstberuhigung zu erlernen und trainieren und 
  • Selbstmitgefühl zu entwickeln

5. Säule: Yoga und Stilles Qigong

Das Konzept des therapiegestützten, meditativen Bogenschießens nimmt Anleihe bei zwei traditionellen, östlichen Weisheitsschulen und Wegphilosophien, dem Yoga und dem Qigong, die helfen, zu einem Gewahrsein zu kommen, mit dem Ziel somatischer Bewusstheit und körperlicher Integration. Dies geschieht durch bewusste Wahrnehmung, Achtsamkeit und Aufmerksamkeitslenkung.

 

Da Yoga und auch Qigong sehr komplex sind, richten wir den Fokus vorwiegend auf jene Bereiche, die den Übenden sensibilisieren und ihn so offen machen für all das, was ihn im Moment des Empfindens zu einem inneren wie auch äußeren Gewahrsein führt. Dadurch erschließen sich andere Bereiche seiner Wesenhaftigkeit und damit auch Ebenen, die die Transzendenz des Augenblicks offenbar werden lassen kann.